Körper

Alkohol-Abbau im Körper: So funktioniert er wirklich

Wie die Leber Alkohol abbaut, welche Faktoren die Promille beeinflussen und warum Kaffee oder kalte Dusche nichts beschleunigen. Redaktioneller Überblick.

Lesezeit 9 Min. Aktualisiert 21.10.2026 4 Quellen Jan-Tristan Rudat Jan-Tristan Rudat
Inhalt
Wichtiger Hinweis: Redaktioneller Inhalt, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Der berechnete Promillewert ist eine grobe Schätzung nach Widmark. Ob du fahrtüchtig bist, kann der Rechner nicht sagen. Fahre nie alkoholisiert, maßgeblich ist allein die behördliche Messung.

Ein Glas Wein, ein Feierabendbier, der Sekt auf der Hochzeit: Alkohol gelangt erstaunlich schnell ins Blut, verschwindet dort aber quälend langsam wieder. Wer verstehen will, warum der eigene Promillewert nach einer durchzechten Nacht am nächsten Morgen immer noch über null liegt, muss sich anschauen, was im Körper tatsächlich passiert. Dieser Beitrag ordnet die Biologie redaktionell ein. Er ersetzt keine medizinische Beratung, und der angeschlossene Promillerechner liefert ausschließlich eine grobe Schätzung.

Vom Glas ins Blut: die Resorption

Sobald Alkohol den Magen erreicht, beginnt die Aufnahme, fachlich Resorption genannt. Ein kleiner Teil wandert bereits über die Magenschleimhaut ins Blut, der Großteil aber erst im Dünndarm. Deshalb entscheidet die Geschwindigkeit, mit der ein Getränk den Magen verlässt, maßgeblich darüber, wie schnell der Promillewert steigt.

Auf nüchternen Magen flutet Alkohol regelrecht an. Der Wert klettert binnen 30 bis 60 Minuten auf seinen Höhepunkt. Liegt dagegen eine deftige Mahlzeit im Magen, schließt der Magenpförtner langsamer auf, der Alkohol tröpfelt portionsweise in den Darm, und die Kurve steigt flacher. Wichtig: Essen senkt nicht die Gesamtmenge an Alkohol im Körper. Es verteilt die Aufnahme nur über einen längeren Zeitraum.

Die Leber als alleinige Abbaustation

Während die Resorption noch läuft, hat der Körper längst mit dem Gegenteil begonnen: dem Abbau. Rund 90 bis 95 Prozent des Alkohols werden in der Leber verstoffwechselt, der winzige Rest verlässt den Körper über Atem, Schweiß und Urin. Genau deshalb funktioniert ein Atemalkoholtest überhaupt.

In der Leber arbeitet das Enzym Alkoholdehydrogenase, kurz ADH. Es wandelt Ethanol zunächst in Acetaldehyd um, einen giftigen Zwischenstoff, der für einen guten Teil des Katers verantwortlich ist. Ein zweites Enzym baut diesen Stoff weiter zu Essigsäure ab, die der Körper am Ende zu Wasser und Kohlendioxid zerlegt.

Entscheidend ist die Kapazität: Die ADH arbeitet mit nahezu gleichbleibender Geschwindigkeit. Sie lässt sich nicht in einen höheren Gang schalten, egal wie sehr man es sich wünscht. Pro Stunde verschwinden bei den meisten Erwachsenen geschätzt 0,1 bis 0,2 Promille. Bei einem Wert von 1,0 Promille dauert es also grob fünf bis zehn Stunden, bis der Körper wieder nüchtern ist. Der Rechner nimmt den unteren Wert von 0,1 Promille und kommt auf zehn Stunden. Das ist Absicht: Die angezeigte Wartezeit soll eher zu lang als zu kurz sein.

Der Körper baut Alkohol in seinem eigenen Takt ab. Diesen Takt kann niemand beschleunigen, man kann ihn nur abwarten.

Faustregel zum Abbau

Restalkohol am Morgen danach

Aus diesem konstanten Abbau folgt das gefürchtete Restalkohol-Problem. Wer bis tief in die Nacht trinkt, sitzt am nächsten Morgen womöglich mit deutlichem Promillewert am Steuer, ohne sich betrunken zu fühlen. Subjektive Frische ist kein Maßstab.

Ein Beispiel verdeutlicht das Tempo. Angenommen, jemand erreicht um 2 Uhr nachts einen Wert von 1,2 Promille. Bei einem Abbau von 0,1 Promille pro Stunde sieht die Rechnung so aus:

Uhrzeit Geschätzter Promillewert Einordnung
02:00 Uhr 1,2 Promille absolute Fahruntüchtigkeit, Straftat
06:00 Uhr 0,8 Promille Ordnungswidrigkeit (§ 24a StVG); mit Ausfallerscheinungen oder Unfall Straftat (§§ 316, 315c StGB)
09:00 Uhr 0,5 Promille Ordnungswidrigkeit ab diesem Wert
12:00 Uhr 0,2 Promille unter 0,5, aber nicht null
14:00 Uhr 0,0 Promille rechnerisch nüchtern

Erst am frühen Nachmittag wäre dieser Beispielwert vollständig abgebaut, und das mit der vorsichtigen Abbaurate von 0,1 Promille pro Stunde, die auch der Rechner verwendet. Wer mit 0,15 oder 0,2 rechnet, wäre früher fertig, liegt aber nicht mehr auf der sicheren Seite.

Warum Frauen höhere Promille erreichen

Alkohol verteilt sich im Körperwasser, nicht im Fettgewebe. Hier liegt der biologische Kern eines oft missverstandenen Unterschieds. Der weibliche Körper besteht anteilig aus weniger Wasser als der männliche, im Schnitt grob 50 Prozent gegenüber grob 60 Prozent beim Mann. Das sind Mittelwerte, individuell weicht der Anteil deutlich ab.

Dieselbe Menge Alkohol verteilt sich bei Frauen also auf ein kleineres Flüssigkeitsvolumen. Die Konzentration im Blut, und nichts anderes misst die Promille, fällt damit höher aus. Selbst bei identischem Körpergewicht erreicht eine Frau nach demselben Getränk in der Regel einen höheren Wert als ein Mann. Hinzu kommt, dass die Aktivität der abbauenden Enzyme im Magen bei Frauen tendenziell geringer ist, sodass mehr Alkohol unverarbeitet ins Blut gelangt.

0,1–0,2

Promille Abbau pro Stunde

≈60 %

Körperwasser-Anteil Mann

≈50 %

Körperwasser-Anteil Frau

Welche Faktoren wirklich zählen

Neben dem Geschlecht spielen weitere Größen eine Rolle. Die folgende Übersicht ordnet ein, in welche Richtung ein Faktor den geschätzten Promillewert verschiebt.

Faktor Wirkung auf die Promille Hintergrund
Höheres Körpergewicht senkt den Spitzenwert mehr Körperwasser, größeres Verteilungsvolumen
Weibliches Geschlecht erhöht den Wert anteilig weniger Körperwasser
Voller Magen senkt die Spitze, verzögert sie langsamere Resorption, gleiche Gesamtmenge
Schnelles Trinken erhöht die Spitze Anflutung übersteigt die Abbaurate
Trinkgewohnheit verändert das Gefühl, nicht den Wert Toleranz täuscht über die echte Promille hinweg
Müdigkeit oder Krankheit verstärkt die spürbare Wirkung Promillewert bleibt gleich, Beeinträchtigung steigt

Der letzte Punkt ist heikel. Gewöhnung an Alkohol senkt die Promille nicht, sie senkt nur das subjektive Rauschempfinden. Ein Mensch mit hoher Toleranz kann sich bei 1,0 Promille noch klar fühlen und ist rechtlich trotzdem fahruntüchtig. Die Zahl im Blut interessiert sich nicht für das Gefühl.

Hartnäckige Mythen im Faktencheck

Rund um das nüchtern werden kursieren Hausmittel, die sich hartnäckig halten. Keines davon greift in den Abbau ein.

  • Kaffee macht wacher und überdeckt die Müdigkeit. Den Promillewert verändert er nicht. Im schlimmsten Fall fühlt sich jemand fitter, als er ist, und überschätzt seine Fahrtauglichkeit.
  • Kalte Dusche oder frische Luft wecken kurz auf, beschleunigen den Abbau in der Leber aber um keine Sekunde.
  • Fettiges Essen davor verlangsamt die Aufnahme, reduziert aber nicht die Gesamtmenge an Alkohol. Danach gegessen, bringt es für die Promille gar nichts mehr.
  • Sport und Schwitzen scheidet nur einen Bruchteil über die Haut aus. Der Großteil läuft weiter über die Leber.
Geschätzter Abbau von 1,0 Promille über die Zeit Start (0 h) 1 Promille nach 2 h 0,8 Promille nach 4 h 0,6 Promille nach 6 h 0,4 Promille nach 8 h 0,2 Promille nach 10 h 0 Promille
Modellrechnung bei 0,1 Promille Abbau pro Stunde. Tatsächliche Werte schwanken individuell.

Die Kurve macht das Grundproblem sichtbar: Der Abbau verläuft als gerade, gemächliche Linie nach unten. Es gibt keinen Knick, keinen Turbo, keine Abkürzung. Wer am Abend kräftig getrunken hat, braucht schlicht Zeit, oft mehr als eine ganze Nachtruhe.

Promille, Wirkung und das Gehirn

Wie sich ein bestimmter Promillewert anfühlt, hängt stark vom Einzelfall ab, doch die grobe Richtung ist gut beschrieben. Alkohol wirkt im zentralen Nervensystem dämpfend und beeinträchtigt zunehmend jene Funktionen, die im Straßenverkehr unverzichtbar sind: Reaktion, Konzentration, Sehvermögen und Urteilskraft.

Bereich Typische Wirkung
ab 0,2 Promille leichte Enthemmung, erste Einbußen bei der Reaktion
ab 0,5 Promille Sehleistung und Aufmerksamkeit lassen messbar nach
ab 0,8 Promille Reaktionszeit deutlich verlängert, Selbstüberschätzung
ab 1,0 Promille Gleichgewicht und Sprache gestört, Tunnelblick
ab 1,5 Promille starke Beeinträchtigung, Orientierungsverlust

Tückisch ist, dass das subjektive Empfinden der objektiven Beeinträchtigung hinterherhinkt. Schon bei niedrigen Werten sinkt die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung, während sich viele noch sicher fühlen. Genau diese Lücke zwischen Gefühl und Realität macht das Fahren unter Alkohol so gefährlich. Die gemessene Promille kennt dieses Gefühl nicht, sie beschreibt nüchtern den Zustand des Körpers.

Was diese Zahlen für dich bedeuten

Der Alkohol-Abbau folgt einer einfachen, unbestechlichen Mechanik: Die Leber arbeitet langsam und gleichmäßig, und keine Methode der Welt stellt sie schneller. Gewicht, Geschlecht und Mageninhalt verschieben den Spitzenwert, ändern aber nichts am Grundtempo des Abbaus. Wer den eigenen Wert grob einschätzen will, kann den Promillerechner als Orientierung nutzen, sollte sich aber bewusst sein, dass Schätzwerte und reale Werte auseinanderliegen können.

Für den Alltag bleibt eine klare Konsequenz. Wenn überhaupt getrunken wird, dann mit großzügigem zeitlichem Abstand zur nächsten Fahrt oder, deutlich sicherer, gar nicht vor dem Fahren. Die Biologie verzeiht keine Eile, und am Steuer ist 0,0 die einzige Zahl, auf die du dich verlassen kannst.

Häufige Fragen

Wie schnell baut der Körper Alkohol ab?

Im Durchschnitt verschwinden etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. Der Rechner nimmt mit 0,1 den unteren Wert, damit die Wartezeit eher zu lang als zu kurz ausfällt. Der Abbau lässt sich nicht beschleunigen.

Warum haben Frauen bei gleicher Menge mehr Promille?

Frauen haben anteilig weniger Körperwasser, in dem sich der Alkohol verteilt. Bei gleichem Getränk und Gewicht ergibt das eine höhere Konzentration im Blut.

Hilft Kaffee gegen Alkohol im Blut?

Nein. Koffein macht wacher, senkt aber den Promillewert nicht. Den Abbau erledigt allein die Leber, und zwar in ihrem eigenen Tempo.

Beeinflusst Essen die Promille?

Eine volle Mahlzeit verlangsamt die Aufnahme ins Blut, sodass die Spitze flacher ausfällt. Die insgesamt aufgenommene Alkoholmenge bleibt aber gleich.

Quellen

Jan-Tristan Rudat

Über die Autorenschaft

Jan-Tristan Rudat

Redakteur promille-ausrechnen.de

Themengebiet: Alkoholgehalt von Getränken, Alkoholabbau, Einflussfaktoren

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