Grundlagen
Promille berechnen mit der Widmark-Formel verständlich
So schätzt der Promillerechner deinen Blutalkohol: Widmark-Formel Schritt für Schritt, Faktoren wie Gewicht und Geschlecht plus Rechenbeispiel.
Inhalt
Der Promillerechner auf dieser Seite nimmt dir das Kopfrechnen ab, doch dahinter steckt eine überschaubare Formel aus den 1930er Jahren. Der schwedische Mediziner Erik Widmark hat sie entwickelt, und sie ist bis heute die Grundlage fast jeder Blutalkoholschätzung. Wer versteht, welche Größen einfließen, erkennt auch, warum zwei Menschen nach demselben Getränk völlig unterschiedliche Werte haben können. Dieser Artikel ist eine redaktionelle Aufbereitung und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Der Rechner schätzt, er misst nicht.
Was die Widmark-Formel überhaupt berechnet
Die Formel beantwortet eine einzige Frage: Wie hoch ist die Alkoholkonzentration im Blut, wenn eine bestimmte Menge reiner Alkohol auf das Körperwasser eines Menschen verteilt wird. Sie lautet:
c = A / (m × r)
Dabei steht c für die Blutalkoholkonzentration in Promille, A für die aufgenommene Menge reinen Alkohols in Gramm, m für das Körpergewicht in Kilogramm und r für den sogenannten Verteilungsfaktor. Dieser Faktor beschreibt, welcher Anteil des Körpers Alkohol aufnehmen kann. Alkohol verteilt sich im Körperwasser, nicht im Fettgewebe. Wer mehr Wasser im Körper hat, verdünnt denselben Schluck stärker.
Schritt 1: Die Alkoholmenge A bestimmen
Bevor die Formel rechnen kann, brauchst du die Menge reinen Alkohols. Auf jedem Getränk steht der Alkoholgehalt in Volumenprozent. Reiner Alkohol wiegt allerdings weniger als Wasser, seine Dichte beträgt etwa 0,8 Gramm pro Milliliter. Daraus ergibt sich:
A = Volumen (ml) × Volumenprozent (als Dezimalzahl) × 0,8
Ein Beispiel: Ein halber Liter Bier mit 5 Prozent enthält 500 ml × 0,05 × 0,8 = 20 Gramm reinen Alkohol. Als Faustregel enthält ein Standardglas 10 bis 12 Gramm Alkohol. Ein kleines Bier (0,25 Liter) und ein kleines Glas Wein (0,1 Liter) liegen dort, ein doppelter Schnaps (4 Zentiliter) mit rund 13 Gramm knapp darüber. Ein großes Bier mit 20 Gramm entspricht zwei Standardgläsern.
Schritt 2: Gewicht und Verteilungsfaktor einsetzen
Das Körpergewicht steht im Nenner: Je schwerer ein Mensch, desto mehr Körperwasser, desto stärker verdünnt sich derselbe Alkohol. Eine 60 Kilogramm leichte Person erreicht mit demselben Bier einen höheren Wert als jemand mit 90 Kilogramm.
Der Verteilungsfaktor r unterscheidet sich nach Geschlecht und Körperbau. Frauen haben im Schnitt einen höheren Fettanteil und damit weniger Körperwasser, deshalb liegt ihr Faktor niedriger. Der Rechner nimmt die Standardwerte 0,7 für Männer und 0,6 für Frauen. In der Fachliteratur findest du für Männer etwa 0,68 bis 0,7 und für Frauen etwa 0,55 bis 0,6.
| Personengruppe | Verteilungsfaktor r |
|---|---|
| Männer (Rechner) | 0,7 |
| Frauen (Rechner) | 0,6 |
| Sehr muskulöse Personen | höher als der Durchschnitt |
| Personen mit hohem Körperfettanteil | niedriger als der Durchschnitt |
Diese Zahlen sind Näherungen. Der echte Faktor hängt vom individuellen Körperwasseranteil ab und lässt sich ohne Messung nicht exakt bestimmen. Genau hier beginnt die Unschärfe jeder Schätzung.
Dieselbe Menge Alkohol ergibt bei einer leichten Frau einen deutlich höheren Promillewert als bei einem schweren Mann.
Schritt 3: Resorptionsdefizit und Abbau
Die reine Formel überschätzt den Wert in der Regel, weil nicht der gesamte getrunkene Alkohol ins Blut gelangt. Ein Teil wird schon in Magen und Leber abgebaut, bevor er den Blutkreislauf erreicht. Dieses Resorptionsdefizit setzen gerichtliche Rückrechnungen mit etwa 10 bis 30 Prozent an. Der Rechner auf dieser Seite zieht es bewusst nicht ab. So fällt der angezeigte Wert eher zu hoch als zu niedrig aus, und das ist für die Frage, ob du noch fahren kannst, die sichere Richtung.
Außerdem beginnt der Abbau sofort. Die Leber verarbeitet pro Stunde etwa 0,1 bis 0,2 Promille. Der Rechner nimmt den unteren Wert von 0,1 Promille pro Stunde und rechnet ab Trinkbeginn. Die Zeit bis 0,0 Promille fällt damit eher zu lang als zu kurz aus. Die vollständige Rechnung über die Zeit lautet:
Aktueller Wert = Startwert − (0,1 × Stunden seit Trinkbeginn)
0,8
Dichte Alkohol g/ml
Quelle: Widmark-Grundlage
10–30
% Resorptionsdefizit (Rechner: 0)
Quelle: Rechtsmedizin
0,1–0,2
Promille Abbau pro Stunde (Rechner: 0,1)
Quelle: Rechtsmedizin
10–12
g Alkohol pro Standardglas
Quelle: Faustregel
Ein vollständiges Rechenbeispiel
Nehmen wir einen Mann mit 80 Kilogramm Körpergewicht, der zwei halbe Liter Bier mit 5 Prozent trinkt. Wir gehen Schritt für Schritt vor.
Alkoholmenge A: 2 × 500 ml × 0,05 × 0,8 = 40 Gramm reiner Alkohol.
Verteilungsvolumen m × r: 80 kg × 0,7 = 56.
Wert c: 40 / 56 = 0,71 Promille. Ein Resorptionsdefizit ziehen wir nicht ab.
Abbau: Sind seit Trinkbeginn zwei Stunden vergangen, werden 2 × 0,1 = 0,2 Promille abgezogen. Der geschätzte aktuelle Wert liegt dann bei 0,71 − 0,2 = 0,51 Promille, also noch knapp über der 0,5-Grenze. Schon dieses Beispiel zeigt, wie stark Trinkdauer und Gewicht das Ergebnis verschieben.
Warum der Mageninhalt mitspielt
Ob du auf nüchternen Magen oder nach einer üppigen Mahlzeit trinkst, verändert nicht die Endmenge, aber den zeitlichen Verlauf. Auf leeren Magen flutet der Alkohol schnell an, der Spitzenwert kommt früher und höher. Nach fettigem Essen verzögert sich die Aufnahme, der Anstieg verläuft flacher. Die Widmark-Formel selbst kennt diesen Effekt nicht, deshalb bleibt der berechnete Spitzenwert immer eine Annäherung an die Realität.
Auch Faktoren wie Müdigkeit, Medikamente, Tagesform und Trinkgewohnheit beeinflussen Wirkung und Abbau. Zwei Menschen mit identischem berechnetem Promillewert können sich völlig unterschiedlich fühlen und reagieren.
Die wichtigsten Grenzwerte im Überblick
Damit die berechneten Zahlen einzuordnen sind, hier die rechtlich relevanten Schwellen. Sie sind keine Empfehlung, sondern reine Information.
| Promille | Bedeutung |
|---|---|
| 0,0 | Pflicht für Fahranfänger in der Probezeit und alle unter 21 Jahren |
| ab 0,3 | Bei Ausfallerscheinungen oder Unfall strafbar nach § 316 StGB |
| 0,5 | Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG, Bußgeld und Punkte |
| ab 1,1 | Absolute Fahruntüchtigkeit, Straftat unabhängig von Ausfallerscheinungen |
So nutzt du den Rechner sinnvoll
Der Promillerechner ist ein Werkzeug, um ein Gefühl für Größenordnungen zu entwickeln, nicht um eine Fahrtauglichkeit zu beweisen. Gib dein tatsächliches Gewicht ein, wähle das passende Geschlecht für den Verteilungsfaktor und trage die getrunkenen Mengen ehrlich ein. Je genauer die Eingaben, desto brauchbarer die Schätzung, aber die Streuung bleibt. Behandle das Ergebnis als groben Hinweis, der dir zeigt, in welcher Größenordnung du dich bewegst, und triff deine Entscheidungen immer auf der sicheren Seite. Wer trinkt, lässt das Auto stehen, ganz ohne Formel.
Häufige Fragen
Wie genau ist die Widmark-Formel?
Die Widmark-Formel liefert eine Schätzung mit einer Streuung von oft mehreren Zehnteln Promille. Sie berücksichtigt weder Tagesform, Medikamente, Lebererkrankungen noch den genauen Mageninhalt. Ein verlässlicher Wert kommt nur aus einer Blut- oder Atemalkoholmessung.
Welchen Verteilungsfaktor r soll ich nehmen?
Der Rechner nimmt 0,7 für Männer und 0,6 für Frauen. Das sind gängige Mittelwerte aus der Rechtsmedizin, die Fachliteratur nennt für Männer etwa 0,68 bis 0,7 und für Frauen etwa 0,55 bis 0,6. Der Faktor hängt vom Körperwasseranteil ab und schwankt individuell. Höheres Körperfett senkt den Faktor, weil Fettgewebe kaum Alkohol aufnimmt.
Warum rechnet der Rechner ohne Resorptionsdefizit?
Ein Teil des Alkohols erreicht das Blut nie, weil er schon in Magen und Leber abgebaut wird. Gerichtliche Rückrechnungen setzen dieses Resorptionsdefizit mit etwa 10 bis 30 Prozent an. Der Rechner zieht bewusst nichts ab und bleibt damit auf der sicheren Seite: Der angezeigte Wert fällt eher zu hoch als zu niedrig aus, die Wartezeit bis 0,0 Promille eher zu lang als zu kurz. Ein Nachweis ist er trotzdem nicht.
Quellen
- Blutalkoholkonzentration: Widmark-Formel, Reduktionsfaktoren, Resorptionsdefizit und Abbaurate (Überblicksartikel)
- § 24a StVG: 0,5-Promille-Grenze
- § 316 StGB Trunkenheit im Verkehr
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), allgemeine Quelle (Startseite)
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Alkohol, Alkoholgehalt gängiger Getränke
Über die Autorenschaft
Mateusz Viola
Betreiber und redaktionelle Verantwortung promille-ausrechnen.de
Themengebiet: Funktionsweise des Rechners, Widmark-Formel, Restalkohol
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